• Kürzlich hinzugefügte Artikel X

    Sie haben keine Artikel im Warenkorb.

  • Kürzlich hinzugefügte Artikel X

    Sie haben keine Artikel im Warenkorb.

Swipe to the left

Interview mit Karikaturist Michael Holtschulte

Interview mit Karikaturist Michael Holtschulte
9 months ago No comments

Michael Holtschulte, Jahrgang 1979, lebt und arbeitet als freiberuflicher Cartoonist, Karikaturist und Illustrator in Herten. Er zeichnet regelmäßig u.a. für die überregionalen Tageszeitungen SZ und taz, die Satirezeitschrift Titanic, die Zeitschrift stern und das Yps-Heft. Auch auf seiner Webseite „Tot, aber Lustig“ veröffentlicht er seit 2004 regelmäßig neue Cartoons. Bei Facebook folgen ihm mittlerweile fast 300.000 Fans. Zwei Mal wurde er mit dem Publikumspreis ausgezeichnet: 2012 mit dem Deutschen Preis für Politische Karikatur und 2014 mit dem Deutschen Karikaturenpreis. Seine Bücher erscheinen bei Lappan im Carlsen Verlag (zuletzt: „Möge der Witz mit dir sein“, „Zum Schreien!“, „Tot, aber lustig“, „Alles veggie oder was?“ und „Sammeln Sie Punkte?“).

Frage: Michael, du gehörst zu den bekanntesten deutschen Cartoonisten und Karikaturisten. Kannst du uns kurz deinen Weg dorthin beschreiben?

Antwort: Wow! Erst einmal vielen Dank für diese Einschätzung. Das schmeichelt sehr, da ich bisher natürlich mitbekommen habe, dass meine Arbeiten - also meine Cartoons - sehr häufig bei Facebook geteilt werden. Mir war aber nicht bewusst, dass meine Person auch mit einem gewissen Bekanntheitsgrad verknüpft wird.

Frage: Du warst immerhin schon bei TV Total!

Antwort: Ja, das ist richtig, aber trotzdem stehen ja meine Cartoons im Vordergrund, die sicherlich um einiges bekannter sind als der Zeichner dahinter.

Frage: Zurück zu deinem Weg dorthin …

Antwort: OK, gemalt und gezeichnet habe ich schon seit ich denken kann, auch wenn sich das nach einer Standardfloskel anhört. Im Detail hat mir meine Mutter, die selbst Kunst studiert hat, unglaublich viel beigebracht. Mit ungefähr 14 Jahren habe ich gemerkt, wie sehr ich mich für Cartoons begeistere und mich dann selbst daran versucht. Da ich zu dem Zeitpunkt aktiv Basketball gespielt habe, lag es für mich nahe, das zum Thema zu machen. Diese aus heutiger Sicht grauenvollen Machwerke sind dann in dem Magazin eines Bundesliga-Vereins abgedruckt worden. So sind dann zwei Tageszeitungen auf mich aufmerksam geworden und fragten mich, ob ich mir vorstellen könnte, für sie zu zeichnen. Ich habe dann für eine Lokalredaktion der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung angefangen und dadurch gemerkt, dass man mit Zeichnungen und Humor Geld verdienen kann. So wurde im Grunde genommen der Grundstein gelegt, auf dem ich nach und nach aufgebaut habe.

Seitdem sind ein paar Jahre vergangen und heute kann ich echt sagen, dass ich meinen Traum lebe und in Zeitungen, Magazinen und bei Verlagen veröffentliche, womit ich mein jüngeres Ich krass beeindrucken könnte. Wie die Witze in meinem Kopf entstehen, kann ich allerdings nicht in Worte fassen oder in irgendeiner Form begreifbar machen. Aber ich kann sie zeichnerisch in Form bringen. Und das ist inzwischen mein täglich Brot.

Frage: Hast du schon zu Schulzeiten deine Hefte – und vielleicht auch andere Gegenstände – mit deinen Zeichnungen dekoriert? Wie wurde deine Kreativität in der Schule gefördert?

Antwort: Soweit ich von meinen Eltern weiß, ging das schon lange vor der Schule los, dass ich diverse Gegenstände dekoriert habe. So musste beim Umzug komplett neu tapeziert werden.

Aber ja, ich habe in der Schulzeit wirklich alles vollgekritzelt. Mit alles ist aber tatsächlich nur Papier gemeint. Schulhefte, Blätter, etc. Tische habe ich ausgelassen, weil man da den Platz für Spicker brauchte. Was die Förderung der Kreativität in der Schule anbelangt … Was soll ich bei einer Doppelstunde Kunst pro Woche sagen? Oder Musik? … Ich weiß nicht, wie es heute aussieht, aber ich vermute, dass es nicht besser geworden ist.

Frage: Es muss schwierig sein, auf Knopfdruck lustig zu sein und stets neue Ideen zu haben. Woher nimmst du die Inspiration für ständig neue Cartoons?

Antwort: Diesbezüglich muss man unterscheiden. Was meine „normalen“ Cartoons anbelangt, muss ich nicht auf Knopfdruck lustig sein. Das gehört für mich zum ganz normalen Leben, dass ich Ideen sammle, diese aufschreibe oder Skizzen mache und dadurch über einen gewissen Zeitraum immer etwas habe, das ich durchgehend umsetzen kann. Da ich inzwischen seit einiger Zeit als professioneller Cartoonist unterwegs bin, gibt es immer einen Überschuss an Ideen, bei denen ich zeitlich einfach nicht hinterherkomme, die alle sofort umzusetzen. Es gibt daher keinen Leerlauf.

Wenn es allerdings um Cartoons zu tagesaktuellen Themen für Zeitungen geht, dann muss ich sagen, dass ich gezielt nachdenken muss. Und das unter Zeitdruck! Wie das allerdings immer so funktioniert, kann ich auch nicht wirklich in Worte fassen. Vielleicht sollte ich darüber auch nicht wirklich grübeln, sondern froh sein, dass ich bisher immer abgeliefert habe.

Frage: In deinem rabenschwarzen Projekt „Tot aber lustig“ tritt immer wieder der Sensenmann auf. Woher kommt dieses spezielle Verhältnis zum Tod?

Antwort: Ich habe kein spezielles Verhältnis zum Tod. Ehrlich gesagt fürchte ich den Tod wie jeder andere auch. Ich habe allerdings einen sehr schwarzen Humor und erfinde Witze, die ich optisch in Form eines Cartoons rüberbringen muss. Von daher nutze ich den Sensenmann als Personifikation des Todes sehr gerne, da er sich als Figur super anbietet, Cartoons zu machen. Es ist also kein spezielles Interesse an dem Tod an sich, sondern ein Mittel, meinen Humor ins Bild zu setzen.

Frage: Als „klassischer“ Arbeitnehmer, der täglich ins Büro fährt, stellt man sich den Alltag eines Freiberuflers wahnsinnig abwechslungsreich und selbstbestimmt vor. Ist das bei dir tatsächlich so? Beschreibe uns doch mal einen typischen Arbeitstag von dir.

Antwort: Boah, eigentlich ist das total langweilig. Ich steh früh auf, trinke einen Kaffee, setze mich an den Computer, um Mails zu beantworten, bei Facebook zu gucken, ob es da interessante Kommentare gibt und Buchhaltung zu machen. Dann zieh ich eine Hose an ;-) Danach zeichne ich. Währenddessen Telefonate. Beides stundenlang. Am frühen Nachmittag mache ich Sport, weil man einfach einen Ausgleich benötigt, wenn man den ganzen Tag sitzt und zeichnet. Zumal ich auch relativ schnell Verspannungen bekomme, die zu unerträglichen Kopfschmerzen führen. Insofern ist ein wenig Bewegung auch Teil des Jobs. Dann wieder Zeichnen, telefonieren, mit den Katzen spielen.

Und so weiter … bis abends. Meist arbeite ich mehr als acht Stunden am Tag. Vor allem in den Schlussphasen, bevor ich neue Bücher abliefern muss.

Frage: Kommen wir kurz noch zu unserem Fudenosuke Brush Pen, den du kürzlich getestet hast, und für den du auch schon viele deiner Kollegen begeistern konntest. Ein Stift, mit dem Zeichnen Spaß macht?

Antwort: Ich habe den Fudenosuke Brush Pen in die Finger bekommen und ihn sofort in meinen Workflow aufgenommen! Als ich den Stift zum ersten Mal benutzte, habe ich sofort ein komplettes Buch damit illustriert. Ich arbeite seitdem damit. Was ich an dem Stift wirklich toll finde, ist die Tatsache, dass er sich wie ein dünner Fineliner handhaben lässt, aber bei mehr Druck wie ein Pinsel funktioniert. Da die „Borsten“ aber viel härter als bei einem echten Pinsel sind, muss man nicht „schleppen“, was meiner Arbeitsweise sehr entgegenkommt. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der Fudenosuke Brush Pen der perfekte Stift für mich als Cartoonist ist. Deshalb habe ich ihn auch meinen Freunden empfohlen und ausprobieren lassen. Die meisten sehen das ähnlich.

Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit für unser Interview genommen hast. Wir wünschen dir auch weiterhin ganz viel Erfolg!

Mehr über Michael Holtschulte gibt es hier:

http://www.totaberlustig.com/

https://www.facebook.com/totaberlustig/

#be inspired., #interview Veröffentlicht in: be inspired